MRT Martin Reza Tschapke

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Newsletter wirken, aber die Öffnungsrate zählt zur Hälfte Maschinen

Zwei Drittel der Newsletter-Abonnierenden in Deutschland haben schon direkt daraus gekauft oder gebucht. Doch Öffnungen und Klicks stammen immer öfter von Maschinen. Ich zeige in fünf Grafiken, welche Kennzahlen noch stimmen und was du stattdessen zählst.

1. November 2026 · 4 Min. Lesezeit
von Martin Reza Tschapke
Weiße und cremefarbene Briefumschläge in vielen Größen dicht an dicht, Sinnbild für ein volles Postfach und die Öffnungsrate von Newslettern

Newsletter funktionieren. In einer Befragung von gut 6.000 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 79 % mindestens einen Newsletter abonniert. Zwei Drittel der Abonnierenden in Deutschland haben schon einmal direkt nach einem Klick im Newsletter gekauft oder gebucht.

Nur die Zahlen, an denen die meisten ihren Newsletter messen, stimmen immer seltener. Eine neue Auswertung des E-Mail-Dienstleisters Omnivery zeigt: Rund die Hälfte aller Öffnungen und inzwischen jeder sechste Klick kommen nicht von Menschen.

Newsletter bringen in Deutschland messbar Umsatz

Die Befragung hat United Internet Media, der Werbevermarkter von GMX und WEB.DE, im Herbst 2025 durchführen lassen und im September 2026 veröffentlicht. 51 % der Empfangenden bekommen jeden Tag Newsletter, gelesen wird meist zu Hause und am Smartphone. Der häufigste Grund für ein Abo ist ein Rabatt.

Drei Kennzahlen zu Newslettern im deutschsprachigen Raum: 79 Prozent haben mindestens einen Newsletter abonniert, 51 Prozent der Empfangenden bekommen jeden Tag Newsletter, 66 Prozent in Deutschland haben schon nach einem Klick im Newsletter gekauft oder gebucht, in Österreich und der Schweiz je 71 Prozent.
United Internet Media und Omnicom Media Germany, Befragung von 6.014 Menschen im Herbst 2025.

Für kleine Betriebe, Coaches und Selbstständige heißt das: Der Newsletter ist kein Auslaufmodell. Er gehört zu den wenigen Kanälen, über die du Menschen direkt erreichst, ohne dass ein Algorithmus dazwischen entscheidet.

Die Newsletter-Öffnungsrate misst zur Hälfte Maschinen

Seit Herbst 2021 lädt Apple Mail die Inhalte von E-Mails im Hintergrund, um Lesende vor Tracking zu schützen. Jedes dieser Vorladen zählt im Versandprogramm als Öffnung. Laut Omnivery waren 2020 weniger als 1 % der Öffnungen von Werbe-E-Mails an Privatpostfächer nicht menschlich, seit 2023 ist es rund die Hälfte.

Lange galt deshalb der Klick als ehrliche Kennzahl. Auch das ändert sich: Bis 2023 kamen rund 2 % der Klicks von Bots, im zweiten Quartal 2026 waren es 16,6 %. Das wiegt schwer, weil Klicks ohnehin selten sind. Im deutschsprachigen Raum lag die Klickrate 2025 laut dem Versanddienst Inxmail bei 3,3 %.

Paar-Balken zum Anteil nicht menschlicher Öffnungen und Klicks bei Werbe-E-Mails an Privatpostfächer: Öffnungen unter 1 Prozent im Jahr 2020 und rund 50 Prozent im Jahr 2026, Klicks rund 2 Prozent im Jahr 2023 und 16,6 Prozent im zweiten Quartal 2026.
Omnivery, The State of Email Bots 2026; Daten von 126 Postfach-Anbietern weltweit.

Wo deine Leserschaft ihre Mails liest, verändert deine Klickrate

Hinter den Bot-Klicks stecken vor allem Sicherheitsprüfungen der Postfach-Anbieter. Sie öffnen Links vorab, um Betrug zu erkennen. Bei Outlook und Hotmail stammen so rund 30 % der Klicks von Maschinen. Gmail lag bis Anfang 2026 bei rund 6 % und stieg Ende Februar schlagartig auf rund 22 %. Bei GMX und web.de, in Deutschland weit verbreitet, sind es nur 2 bis 4 %.

Kategorien-Balken zum Anteil der Klicks in Werbe-E-Mails, die von Bots stammen, je Postfach-Anbieter im Jahr 2026: Outlook und Hotmail 30 Prozent, Gmail 22 Prozent, iCloud 12 Prozent, web.de 3 bis 4 Prozent, GMX 2 bis 4 Prozent, Yahoo 2 bis 4 Prozent.
Omnivery, The State of Email Bots 2026; gerundete Werte.

Steigt deine Klickrate plötzlich, kann das also an einer neuen Prüfung bei Gmail liegen und nicht an deinem Betreff.

Im B2B-Newsletter klickt oft der Sicherheitsfilter

Besonders stark trifft es Newsletter an Firmenadressen. Viele Unternehmen leiten E-Mails durch Sicherheitsfilter, die jeden Link öffnen und prüfen. Laut Omnivery stammen dort 80 bis 95 % der Klicks von Maschinen, und das schon seit 2020.

Kategorien-Balken zum Anteil der Klicks, die von Bots stammen, je Art des Empfangs: Firmenpostfächer hinter Sicherheitsfiltern 80 bis 95 Prozent, Privatpostfächer plus Newsletter-Archive 58 Prozent, nur Privatpostfächer 16,6 Prozent im zweiten Quartal 2026.
Omnivery, The State of Email Bots 2026.

Dazu kommen Archivseiten, die Newsletter automatisch abonnieren. Ihre Links ruft vor allem der Crawler von Meta ab. Rechnet man sie mit ein, steigt der Bot-Anteil bei Privatpostfächern im selben Quartal von 16,6 auf 58 %.

Wie belastbar sind die Zahlen? Omnivery verkauft selbst eine Bot-Erkennung und hat ein Interesse an hohen Werten. Der Bericht trennt aber sauber zwischen Privat- und Firmenpostfächern und beschreibt seine Methode. Die Daten stammen von 126 Postfach-Anbietern weltweit, nicht nur aus Deutschland. Ich nutze deshalb nur die gerundeten Werte des Berichts.

Menschen erkennen deinen Newsletter am Absender

Was Menschen vor dem Öffnen tatsächlich tun, zeigt wieder die Befragung aus dem deutschsprachigen Raum. 85 % der Befragten in Deutschland achten darauf, ob der Absender vertrauenswürdig wirkt. 79 % der Abonnierenden mögen ein einheitliches, wiedererkennbares Design, 73 % der Befragten erkennen den Absender am Logo schneller.

Kategorien-Balken zur Zustimmung in Deutschland: Auf einen vertrauenswürdigen Absender schon vor dem Öffnen achten 85 Prozent, wenig Text statt langer Textblöcke bevorzugen 80 Prozent, ein einheitliches, wiedererkennbares Design mögen 79 Prozent, das Logo hilft 73 Prozent, den Absender schneller zu erkennen, einer E-Mail mit bekanntem Logo vertrauen 67 Prozent eher.
United Internet Media und Omnicom Media Germany, Befragung im Herbst 2025, Werte für Deutschland.

Das ist eine Frage des Corporate Designs: gleicher Absendername, gleiche Farben, gleiches Logo, jede Woche. Wiedererkennung schützt dich davor, im Postfach für Spam oder Betrug gehalten zu werden.

Was du stattdessen zählst

  1. Zähl Antworten und Anfragen. Eine Rückmeldung per Mail, ein gebuchter Termin oder eine Anfrage über dein Formular kommen von Menschen. Stell im Newsletter eine Frage, auf die man gern antwortet.
  2. Miss auf deiner Website. Gib jedem Link im Newsletter eine Kennung mit, damit deine Statistik zeigt, wer danach wirklich etwas tut. Ein Prüfprogramm öffnet einen Link, aber es bucht keinen Termin.
  3. Lösch niemanden nur wegen fehlender Öffnungen. Wer mit Apple Mail liest, öffnet scheinbar fast immer, wer Bilder blockiert, scheinbar nie. Schau vor dem Aufräumen, ob jemand in den letzten Monaten geantwortet, gebucht oder gekauft hat.
  4. Trenn Firmen- und Privatadressen. Klickt eine Firmenadresse alle Links wenige Sekunden nach dem Versand, war es fast sicher ein Filter. Werte B2B-Klicks deshalb vorsichtig aus.
  5. Sei im Postfach sofort erkennbar. Gleicher Absendername, eine eigene Domain statt einer Freemail-Adresse und ein festes Design mit deinem Logo.

Ich baue Newsletter und automatische Strecken, die auf Anfragen statt auf Öffnungen ausgerichtet sind, und Corporate Designs, die man im Postfach wiedererkennt. Warum Newsletter mehr Menschen erreichen als viele soziale Netzwerke, steht im Artikel über Newsletter-Reichweite. Wenn du wissen willst, was deine Zahlen wirklich sagen, schreib mir.

Quellen

  1. Omnivery (2026): The State of Email Bots 2026, Forschungsbericht, 10.08.2026, B2C-Kampagnen an 126 Postfach-Anbieter 2020 bis erstes Halbjahr 2026. omnivery.com
  2. United Internet Media, Omnicom Media Germany (2026): Erfolgsfaktor Newsletter. Nutzung, Erwartungen und Trends, Online-Befragung von 6.014 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz, 23.10. bis 04.11.2025. united-internet-media.de
  3. GMX und WEB.DE (2026): Rabatte im Postfach. Zwei Drittel bestellen direkt aus Newslettern, Pressemitteilung vom 15.09.2026. newsroom.gmx.net
  4. Inxmail (2026): E-Mail-Marketing-Benchmark 2026, Freiburg, 15.04.2026, rund 4 Milliarden E-Mails an Empfangende in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2025. inxmail.de