MRT Martin Reza Tschapke

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Viele Websites verlieren Anfragen, bevor jemand den ersten Satz liest

Knapp jede dritte Website in Deutschland fällt auf dem Handy bei Googles Werten für Ladezeit und Stabilität durch. Ich zeige, was in den ersten Sekunden passiert und welche fünf Punkte du selbst prüfen kannst.

21. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
von Martin Reza Tschapke
Frau schaut am Bahnsteig auf ihr Smartphone

Eine Website kann gut aussehen, gute Texte haben und trotzdem kaum Anfragen bringen. Oft liegt das Problem vor dem ersten Satz: in den Sekunden, in denen die Seite lädt, und im ersten Bildschirm, den jemand auf dem Handy zu sehen bekommt.

Was in diesen ersten Sekunden passiert, ist gut untersucht. Und für Deutschland gibt es aktuelle Zahlen, die zeigen, wie viele Websites dabei durchfallen.

Die ersten Sekunden entscheiden, ob jemand bleibt

Wie lange Menschen auf Webseiten bleiben, hat Microsoft Research an über 200.000 Seiten untersucht. Die Nielsen Norman Group fasst das Ergebnis so zusammen: Viele verlassen eine Seite nach 10 bis 20 Sekunden, und die ersten rund zehn Sekunden entscheiden, ob jemand bleibt. Wer diese Hürde nimmt, bleibt oft deutlich länger.

Bei einer langsamen Seite geht ein Teil dieser Zeit fürs Warten drauf. Google hat 2017 mit einem Modell aus Absprung- und Conversion-Daten geschätzt, wie sich die Ladezeit mobiler Seiten auswirkt. Steigt sie von einer auf drei Sekunden, wächst die Wahrscheinlichkeit eines Absprungs um 32 %, bei zehn Sekunden um 123 %. Das sind Modellwerte, keine Messung an deiner Seite. Die Richtung ist aber eindeutig.

Knapp jede dritte Website ist auf dem Handy zu langsam

Wie schnell und stabil Websites bei echten Besuchen laden, misst Google im Chrome-Browser. Die drei wichtigsten Werte heißen Core Web Vitals:

  • Largest Contentful Paint (LCP): Wie lange dauert es, bis der größte Inhalt sichtbar ist? Gut sind höchstens 2,5 Sekunden.
  • Interaction to Next Paint (INP): Wie schnell reagiert die Seite auf einen Tipp oder Klick? Gut sind höchstens 200 Millisekunden.
  • Cumulative Layout Shift (CLS): Springt der Inhalt beim Laden hin und her? Gut ist ein Wert von höchstens 0,1.

Ich habe die öffentlichen Daten des HTTP Archive ausgewertet, das diese Messwerte für Hunderttausende Websites zusammenfasst. Im September 2026 bestanden bei Nutzerinnen und Nutzern in Deutschland 69,2 % der knapp 587.000 erfassten Websites alle drei Werte auf dem Handy. Knapp jede dritte fiel also durch. Weltweit war es fast jede zweite.

Liniendiagramm: Anteil der Websites, die alle drei Core Web Vitals auf dem Handy bestehen, von März 2024 bis September 2026. Bei Nutzerinnen und Nutzern in Deutschland steigt er von 56,5 auf 69,2 Prozent, weltweit von 42,7 auf 52,8 Prozent.
Seit März 2024 zählt die Reaktionszeit INP mit. Ältere Werte sind deshalb nicht vergleichbar.

Die gute Nachricht: Deutschland hat sich verbessert, von 56,5 % im März 2024 auf 69,2 % im September 2026. Der häufigste Engpass ist der erste Wert. Nur knapp 80 % der Websites zeigen ihren Hauptinhalt auf dem Handy schnell genug, bei Reaktion und Stabilität sind es fast 90 %.

Eine Einschränkung gehört dazu: Erfasst sind nur Websites mit genug Besuchen in Chrome. Viele kleine Firmenseiten tauchen in den Daten gar nicht auf. Wie deine eigene Seite abschneidet, kannst du trotzdem in zwei Minuten prüfen, dazu unten mehr.

Was im ersten Bildschirm steht, wird gesehen

Ist die Seite geladen, entscheidet der erste Bildschirm. In einer Eyetracking-Studie der Nielsen Norman Group entfielen 57 % der Betrachtungszeit auf den Bereich, der ohne Scrollen sichtbar ist, und 74 % auf die ersten beiden Bildschirmhöhen. Alles darunter wird deutlich seltener gelesen.

Für eine Website, die Anfragen bringen soll, heißt das: Im ersten Bildschirm müssen drei Fragen beantwortet sein. Was bietest du an? Für wen? Und was soll ich jetzt tun? Ein schönes Bild mit einem allgemeinen Slogan beantwortet keine davon.

Ein Beispiel: Statt „Willkommen bei Müller“ über einem Foto der Werkstatthalle steht oben „Unfallschäden und Lackierung in Leipzig. Kostenvoranschlag am nächsten Werktag.“ Darunter ein Button „Schaden melden“. Nach zwei Sekunden ist klar, worum es geht, für wen es ist und was als Nächstes passiert.

Fünf Prüfungen für deine Website

Dafür brauchst du nichts außer deinem Handy und einem Browser.

1. Miss die Ladezeit

Gib deine Adresse bei PageSpeed Insights ein. Ganz oben steht, ob deine Seite die Core Web Vitals bei echten Besuchen besteht. Hat sie dafür zu wenig Besuche, zeigt das Tool nur einen Labortest. Achte dort vor allem auf den LCP-Wert für Mobilgeräte.

2. Öffne deine Seite unterwegs

Nicht im WLAN am Schreibtisch, sondern im Mobilfunknetz, am besten mit schwachem Empfang. So erleben viele deiner Besucherinnen und Besucher die Seite. Zähl mit, wie lange du wartest, bis du etwas Sinnvolles siehst.

3. Schau dir nur den ersten Bildschirm an

Ohne zu scrollen: Ist klar, was du anbietest, für wen und was der nächste Schritt ist? Zeig die Seite jemandem, der dein Geschäft nicht kennt, und frag nach fünf Sekunden, worum es geht.

4. Gib einen klaren nächsten Schritt vor

Ein Button mit einer konkreten Handlung, etwa „Termin anfragen“ oder „Angebot berechnen“, ist leichter zu finden als fünf gleichwertige Links. Er gehört in den ersten Bildschirm und wiederholt sich weiter unten.

5. Kürze dein Formular

Frag nur ab, was du für die erste Antwort wirklich brauchst, alles andere klärst du im Gespräch. Für Kontaktformulare gibt es dazu kaum belastbare Zahlen, für Onlineshops schon: Laut Baymard Institute hat ein Bestellprozess im Schnitt 11,3 Felder, obwohl meist 8 reichen würden. 17 % der befragten US-Kundschaft nennen einen zu langen oder komplizierten Bestellprozess als Grund für einen abgebrochenen Kauf.

Die häufigsten Bremsen auf dem Handy

Bei 76 % der mobilen Websites ist das größte Element im ersten Bildschirm ein Bild, so der Web Almanac 2025 des HTTP Archive. Entsprechend oft entscheidet dieses eine Bild über den LCP-Wert. Diese vier Bremsen sind die üblichen Verdächtigen:

  • Zu schwere Bilder. 83 % der Bilder, die auf Websites den LCP-Wert bestimmen, liegen noch als JPG oder PNG vor, nur 11 % als WebP. Laut Google sind WebP-Bilder bei gleicher Qualität 25 bis 34 % kleiner als vergleichbare JPGs. Noch mehr spart ein Bild, das nur so groß ist, wie es angezeigt wird.
  • Das wichtigste Bild lädt zuletzt. Erscheint das Titelbild erst über einen Slider, eine Animation oder ein Skript, wartet der Browser unnötig. Das größte Bild im ersten Bildschirm sollte sofort und mit Vorrang laden.
  • Fremde Skripte und Schriften. Chat-Fenster, Tracking, Cookie-Tools und Schriften von anderen Servern kosten jeweils Zeit. Jedes davon sollte sich seinen Platz verdienen.
  • Ein träger Server. Antwortet der Server langsam, verliert die Seite Zeit, bevor überhaupt etwas geladen wird. Billiges Hosting und überladene Baukästen sind hier die häufigsten Gründe.

Jede dieser Bremsen lässt sich lösen, meist ohne die Gestaltung anzufassen. Wichtiger ist die Entscheidung, Ladezeit und Klarheit genauso ernst zu nehmen wie das Design.

Wenn du wissen willst, wo deine Website Anfragen verliert, prüfe ich sie in meinem Website-Audit: mit Messwerten, einer Bewertung in sieben Bereichen und einer Fixliste, sortiert nach Wirkung. Und wenn du ohnehin über eine neue Seite nachdenkst: So baue ich Websites und Landingpages.

Quellen

  1. HTTP Archive (2026): Core Web Vitals Technology Report, Daten des Chrome UX Report, eigene Auswertung, Stand September 2026. cdn.httparchive.org
  2. web.dev: How the Core Web Vitals metrics thresholds were defined. web.dev
  3. An, D. (2018): Find out how you stack up to new industry benchmarks for mobile page speed. Think with Google. business.google.com
  4. Nielsen, J. (2011): How Long Do Users Stay on Web Pages? Nielsen Norman Group. nngroup.com
  5. Liu, C., White, R. W. & Dumais, S. (2010): Understanding Web Browsing Behaviors through Weibull Analysis of Dwell Time. SIGIR 2010. microsoft.com
  6. Fessenden, T. (2018): Scrolling and Attention. Nielsen Norman Group. nngroup.com
  7. Scott, E. (2024): Checkout Optimization: 5 Ways to Minimize Form Fields in Checkout. Baymard Institute. baymard.com
  8. HTTP Archive (2026): Web Almanac 2025, Kapitel Performance. almanac.httparchive.org
  9. Google for Developers: An image format for the Web (WebP). developers.google.com
  10. web.dev: Optimize Largest Contentful Paint. web.dev