MRT Martin Reza Tschapke

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Der LinkedIn-Algorithmus versteht jetzt Themen, und ein klares Profil macht es ihm leicht

Seit März 2026 liest ein Sprachmodell jeden LinkedIn-Post, bevor er verteilt wird. Ich zeige in fünf Grafiken, wie der neue Feed funktioniert, was LinkedIn selbst dazu sagt und wie du dein Thema so setzt, dass es ankommt.

27. August 2026 · 3 Min. Lesezeit
von Martin Reza Tschapke
Hand mit Stift schreibt Notizen in ein aufgeschlagenes Notizbuch

Wer auf LinkedIn postet, hört gerade viel über einen neuen Algorithmus. Mal heißt er 360Brew, mal soll er Beiträge mit KI-Texten abstrafen. Was wirklich dahintersteckt, hat LinkedIn selbst ziemlich offen beschrieben: im eigenen Engineering-Blog, in Forschungspapieren und in Beiträgen des Mannes, der die Technik hinter dem Feed leitet. Die Kurzfassung: LinkedIn erkennt heute, worum es in einem Post geht. Und es verteilt ihn an die Menschen, die sich für genau dieses Thema interessieren.

Ein Sprachmodell liest jeden Post

Seit März 2026 rollt LinkedIn ein neues System für den Feed aus. Jeder Beitrag wird dafür als Text beschrieben: Format, Post-Text, bisherige Reaktionen und der Autor mit Headline, Firma und Branche. Ein Sprachmodell erfasst daraus die Bedeutung, nicht nur einzelne Stichwörter. LinkedIn nennt selbst ein Beispiel: Wer sich für Elektrotechnik interessiert, bekommt auch Posts über kleine modulare Reaktoren zu sehen, obwohl das Wort Elektrotechnik darin gar nicht vorkommt.

Prozesskette in vier Schritten: Der Post wird als Text beschrieben, ein Sprachmodell erfasst das Thema, Vorauswahl aus Hunderten Millionen Posts, Rangfolge für jede einzelne Person nach über 1.000 früheren Interaktionen.
Vereinfachte Darstellung nach LinkedIns Engineering-Blog und zwei Forschungspapieren.

Danach sortiert ein zweites Modell die Auswahl für jede einzelne Person. Es wertet dafür über 1.000 frühere Interaktionen aus und nutzt nach Angaben von LinkedIn nur berufliche Signale, keine demografischen.

Aus sechs Quellen wird eine

Bisher speiste sich der Feed aus vielen Töpfen: chronologisch aus dem Netzwerk, Trends nach Region und Branche, Empfehlungen nach ähnlichen Mitgliedern und eine eigene Auswahl nach Themen. Diese Töpfe ersetzt LinkedIn jetzt durch eine einzige Vorauswahl. Für dich heißt das: Ob ein Post auch außerhalb deines Netzwerks gesehen wird, hängt stärker davon ab, ob er inhaltlich zu den Interessen der Leser passt.

Vorher-nachher-Grafik: Bis 2026 kamen die Posts für den Feed aus sechs Quellen, darunter chronologisch aus dem Netzwerk, Trends nach Region und Auswahl nach Themen. Seit März 2026 ersetzt eine Vorauswahl per Sprachmodell diese Quellen.
Quelle: LinkedIn Engineering Blog, März 2026.

Und 360Brew? Das ist ein Forschungsmodell von LinkedIn mit 150 Milliarden Parametern, über das Anfang 2025 ein Paper erschien. Laut Tim Jurka, der bei LinkedIn die Technik hinter dem Feed leitet, wurde es Anfang 2025 mit einer kleinen Gruppe von Mitgliedern getestet und dann eingestellt. Im Ranking steckt es nicht.

Wissen und Rat werden schon länger bevorzugt

Neu ist die Richtung nicht. Schon 2023 hat LinkedIn den Feed auf Inhalte ausgerichtet, die Wissen oder Rat bieten. Solche Posts bekamen danach laut LinkedIn fast 40 % mehr Aufrufe von außerhalb des Netzwerks, die Beschwerden über irrelevante Inhalte sanken um 80 %. Chefredakteur Dan Roth erklärte damals auch, worauf es ankommt: LinkedIn wolle sehen, dass jemand eine Community um Wissen aufbaut, für das er besonders qualifiziert ist. Würde er selbst über Geologie posten, müsste LinkedIn das abwerten, weil ihm dafür die Fachkenntnis fehle.

Drei Kennzahlen zur Umstellung des LinkedIn-Feeds 2023: 40 Prozent mehr Aufrufe von außerhalb des Netzwerks für Posts mit Wissen und Rat, 10 Prozent mehr Aufrufe aus dem eigenen Netzwerk, 80 Prozent weniger Beschwerden über irrelevante Inhalte.
Angaben von LinkedIn aus dem Jahr 2023, vor dem Umbau auf Sprachmodelle.

In der aktuellen LinkedIn-Hilfe steht es ähnlich. Der Feed achtet auf drei Gruppen von Signalen: wer du bist, worum es in deinem Post geht und wofür sich deine Leser interessieren.

Drei Karten: Deine Identität mit Profil, Skills und beruflichem Hintergrund; dein Inhalt, also worum es im Post geht und ob er Wissen oder Rat bietet; die Aktivität deiner Leser, also wofür sie sich interessieren. Jeweils mit einer Empfehlung.
Quellen: LinkedIn-Hilfe und LinkedIn Engineering Blog.

Was das für deine Personal Brand heißt

Eine Zahl, die belegt, wie viel Reichweite ein klares Thema bringt, gibt es nicht, auch nicht von LinkedIn. Die Logik ist aber eindeutig. Wenn ein Sprachmodell aus Profil und Post ablesen soll, wofür du stehst, und den Beitrag dann an Interessierte verteilt, hilft jedes Signal, das in dieselbe Richtung zeigt. Wer heute über Vertrieb, morgen über Elternzeit und übermorgen über KI-Tools schreibt, gibt dem System wenig, woran es sich halten kann.

Dazu passt, was LinkedIn im März 2026 angekündigt hat: weniger Köder wie „Kommentiere Ja“, weniger themenfremde Videos und weniger recycelte Thought-Leadership-Posts. Gruppen, die sich gegenseitig Likes und Kommentare zuschieben, will LinkedIn wirkungslos machen.

Der LinkedIn-Analyst Richard van der Blom empfiehlt deshalb ein Hauptthema mit zwei bis drei Unterthemen, die zusammen etwa 80 % der Beiträge ausmachen. Das ist eine Faustregel, keine Messung. Als Planungshilfe taugt sie trotzdem gut:

Beispiel-Themenplan für vier Wochen mit drei Posts pro Woche für einen Coach für Führungskräfte: Unterthemen schwierige Gespräche, die erste Führungsrolle und Teams in Veränderung, dazu zwei persönliche Beiträge.
Erfundenes Beispiel.

Womit du anfangen kannst

  1. Dein Thema in einem Satz. Wofür sollen dich Menschen kennen, die dich nie getroffen haben? Dieser Satz gehört in deine Headline.
  2. Das Profil passend machen. Info-Text, Skills und Berufserfahrung so formulieren, dass sie dasselbe Thema erzählen. Headline, Firma und Branche fließen in jede Beschreibung deiner Posts ein.
  3. Zwei bis drei Unterthemen festlegen. Daraus entsteht ein Plan für vier Wochen. Persönliches darf rein, als Ergänzung.
  4. Nach vier Wochen auswerten. Welche Unterthemen erreichen Menschen außerhalb deines Netzwerks? Dort weitermachen, den Rest streichen.

Ich helfe Selbstständigen und Coaches dabei, aus ihrem Wissen eine klare Personal Brand zu machen, vom Profil bis zum Redaktionsplan. Wenn du wissen willst, wie das für dich aussehen kann, schreib mir.

Quellen

  1. Danchev, H. (2026): Engineering the next generation of LinkedIn’s Feed. LinkedIn Engineering Blog, 12.03.2026. linkedin.com
  2. Jurka, T. (2026): Updates to The LinkedIn Feed Focusing on Authentic, Relevant Conversations. LinkedIn, 12.03.2026. linkedin.com
  3. Jurka, T. (2025): How does the LinkedIn Feed work? LinkedIn, 11.08.2025. linkedin.com
  4. Jurka, T. (2026): Beitrag zu 360Brew, LinkedIn, 14.04.2026. linkedin.com
  5. LinkedIn-Hilfe: LinkedIn relevance – Optimizing the member experience. linkedin.com
  6. LinkedIn (2025): Large Scale Retrieval for the LinkedIn Feed using Causal Language Models. arXiv 2510.14223. arxiv.org
  7. LinkedIn (2024): LinkedIn Post Embeddings: Industrial Scale Embedding Generation and Usage across LinkedIn. arXiv 2405.11344. arxiv.org
  8. Feifer, J. (2023): LinkedIn Changed Its Algorithms. Here’s How Your Posts Will Be Affected. Entrepreneur, 26.06.2023. entrepreneur.com
  9. Creator Science Podcast (2026): Richard van der Blom, The state of LinkedIn in 2026, 02.06.2026. creatorscience.com