MRT Martin Reza Tschapke

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Bei Anfragen aus Anzeigen entscheidet die erste Stunde

Eine Harvard-Auswertung von 1,25 Millionen Anfragen zeigt, wie schnell Interessenten kalt werden. Ich zeige, wie lange Firmen in Deutschland brauchen und wie ein einfacher Ablauf dafür sorgt, dass keine bezahlte Anfrage liegen bleibt.

8. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
von Martin Reza Tschapke
Mann telefoniert an seinem Arbeitsplatz im Büro hinter zwei Bildschirmen

Wer Werbeanzeigen schaltet, schaut meist auf zwei Zahlen: den Preis pro Klick und die Kosten pro Anfrage. Beide sind wichtig. Was danach passiert, zeigt kein Werbekonto: wie schnell jemand auf die Anfrage antwortet. Dabei entscheidet oft genau das, ob aus einer bezahlten Anfrage ein Gespräch wird.

Eine Anfrage verliert schon in der ersten Stunde an Wert

Die bekannteste Untersuchung dazu erschien 2011 im Harvard Business Review. Die Forschenden werteten 1,25 Millionen Anfragen bei 42 US-Unternehmen aus. Wer innerhalb einer Stunde Kontakt aufnahm, hatte eine fast siebenmal so hohe Chance auf ein echtes Gespräch mit der entscheidenden Person wie jemand, der es eine Stunde später versuchte. Gegenüber einem Versuch nach 24 Stunden oder später war die Chance mehr als 60-mal so hoch.

Zur ehrlichen Einordnung gehören zwei Dinge. Die Daten stammen aus den USA und sind von 2011. Und gemessen wurde, ob ein qualifiziertes Gespräch zustande kam, nicht, ob am Ende verkauft wurde. Die Richtung ist trotzdem klar: Wer anfragt, hat in diesem Moment Zeit und Interesse. Beides hält nicht lange.

Viele Firmen antworten zu spät, manche nie

Für denselben Beitrag schickten die Forschenden Testanfragen an 2.241 US-Firmen. Nur 37 % antworteten innerhalb einer Stunde, 16 % innerhalb eines Tages, 24 % brauchten länger. Und 23 % antworteten nie. Wer innerhalb von 30 Tagen antwortete, brauchte im Schnitt 42 Stunden.

In Deutschland sieht es nicht grundsätzlich besser aus. Die Vermittlungsplattform Aroundhome hat 2026 je 100 Anfragen an fünf Gewerke in den zehn größten deutschen Städten geschickt. Fensterbauer beantworteten 76 % davon, Heizungs-, Solar- und Trockenbaubetriebe gut die Hälfte, Dachdecker nur 37 %. Volle Auftragsbücher erklären einen Teil davon. Für jede Firma, die neue Kundschaft sucht, ist eine unbeantwortete Anfrage trotzdem verschenktes Werbebudget.

Ähnlich das Bild in einem verdeckten Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität bei sechs großen Treppenliftanbietern 2025: Fast jede zweite Anfrage per E-Mail blieb unbeantwortet.

Anfragen über Social Media warten am längsten

Besonders aufschlussreich ist eine Studie aus dem Autohandel. Für die Verkaufsstudie 2025 von TARGOBANK und AUTOHAUS wurden 300 Beschäftigte im Autoverkauf befragt, wie schnell sie auf Anfragen reagieren. Kundschaft vor Ort bekommt im Schnitt nach 0,8 Stunden eine Antwort, Anrufe nach 1,1 Stunden. Anfragen über die eigene Website warten 4,4 Stunden, über Social Media sogar 5,9 Stunden.

Balkendiagramm: Durchschnittliche Reaktionszeit im Autohandel nach Kanal. Social Media 5,9 Stunden, Online-Plattformen und Herstellerplattformen je 5,1, Händler-Website 4,4, Telefon 1,1 und Kundschaft vor Ort 0,8 Stunden. Eine gestrichelte Linie bei 2 Stunden markiert die Erwartung von 37 Prozent der Kaufinteressierten.
Die Zeiten beruhen auf Selbstauskunft der Befragten, nicht auf Messungen.

Das Gegenstück liefert eine Befragung von DEKRA und Ipsos aus demselben Jahr: 37 % der Menschen, die einen Gebrauchtwagen kaufen, erwarten innerhalb von zwei Stunden eine Antwort. Ausgerechnet der Kanal, auf dem Werbeanzeigen laufen, ist also der langsamste. Die Befragten wissen das übrigens selbst: In der Studie nennen sie Reaktionszeiten am häufigsten als Herausforderung im Umgang mit Anfragen (33 %).

Was in den ersten 60 Minuten passieren muss

Schnell zu antworten ist keine Frage von Fleiß, sondern von Ablauf. Wer eine Anfrage erst im Postfach finden, abtippen und weiterleiten muss, verliert die erste Stunde schon mit Organisieren. Diese fünf Bausteine sorgen dafür, dass das nicht passiert.

1. Alle Anfragen landen an einem Ort

Ob Lead-Formular auf Facebook und Instagram, Kontaktformular auf der Website oder E-Mail: Jede Anfrage gehört sofort und automatisch in ein CRM, mit Name, Anliegen, Quelle und Zeitpunkt. Meta empfiehlt selbst, Leads direkt in ein CRM zu übernehmen und Anzeigen zu Geschäftszeiten zu schalten, damit schnell nachgefasst werden kann.

2. Eine Benachrichtigung aufs Handy

Eine neue Anfrage muss jemand sehen, auch wenn gerade niemand am Schreibtisch sitzt. Eine Push-Nachricht oder eine kurze Mail mit allen Angaben reicht.

3. Eine feste Zuständigkeit

„Kümmert sich da schon jemand?“ ist der Satz, mit dem Anfragen liegen bleiben. Jede Anfrage braucht eine verantwortliche Person und einen sichtbaren Status.

4. Eine Antwort, die vorbereitet ist

Die erste Antwort muss nicht das Angebot sein. Eine kurze, persönliche Nachricht mit Dank, nächstem Schritt und Terminvorschlag lässt sich vorbereiten und in zwei Minuten anpassen. Viele erreichst du am schnellsten per WhatsApp, sofern sie dem zugestimmt haben: Laut ARD/ZDF-Onlinestudie nutzten schon 2022 rund 68 % der Menschen in Deutschland ab 14 Jahren WhatsApp täglich.

5. Nachfassen nach Plan

Nicht jede Anfrage erreichst du beim ersten Versuch. Lege fest, wann ein zweiter und dritter Versuch folgt, und lass dich daran erinnern. Ohne Plan ist eine Anfrage nach zwei Tagen vergessen.

Drei Zahlen, an denen du deinen Ablauf misst

Ob der Ablauf funktioniert, zeigt kein Bauchgefühl, sondern drei einfache Werte:

  • Zeit bis zur ersten Antwort. Am besten als Median, also als mittlerer Wert. Ein einziges vergessenes Wochenende verzerrt sonst den Durchschnitt.
  • Anteil der Antworten innerhalb einer Stunde. Er zeigt, wie viele Anfragen noch warm sind, wenn du dich meldest.
  • Anteil ohne jede Antwort. Er sollte bei null liegen. Jede Anfrage in diesem Topf hast du bezahlt.

Ein CRM zeigt dir alle drei auf einen Blick, wenn jede Anfrage mit Zeitpunkt, Status und zuständiger Person erfasst wird. Ohne diese Daten bleibt die Reaktionszeit eine Schätzung.

Wie das in der Praxis aussieht

Für Timeless Motors, eine Kfz-Werkstatt und Lackiererei in Wiesloch, habe ich genau so einen Ablauf gebaut. Meta-Anzeigen für Unterbodenschutz, Motorräder und US-Cars bringen die Anfragen. Jede landet automatisch im eigenen CRM, mit Status, Zuständigen und einer Übersicht, was jede Anzeige pro Anfrage kostet.

Von Juli bis September 2026 kostete eine Anfrage im Schnitt 12,77 € statt vorher 31,24 €, also 59 % weniger, und es kamen 102 statt 38 Anfragen im Monat. Bis Oktober 2026 sind so 923 Anfragen im CRM zusammengekommen. Ehrlicherweise wirken dabei mehrere Hebel zusammen: neue Anzeigen, eine neue Website und der Ablauf dahinter. Welcher Anteil auf die Reaktionszeit entfällt, lässt sich nicht trennen. Sicher ist: Jede dieser Anfragen hat einen Status und eine zuständige Person.

Was das für dich heißt

Bevor du mehr Geld in Anzeigen steckst, schau dir an, was mit den Anfragen passiert, die du schon bekommst. Wie lange dauert die erste Antwort im Schnitt? Wie viele bekommen nie eine? Wenn du das nicht auf Anhieb sagen kannst, liegt dort dein günstigster Hebel.

Ich baue für meine Kundschaft beides: Meta-Ads, die Anfragen bringen, und ein CRM mit WhatsApp, in dem jede Anfrage einen Status und eine zuständige Person hat. Wenn du wissen willst, wie das bei dir aussehen könnte, schreib mir.

Quellen

  1. Oldroyd, J. B., McElheran, K. & Elkington, D. (2011): The Short Life of Online Sales Leads. Harvard Business Review, März 2011. hbr.org
  2. TARGOBANK & AUTOHAUS (2025): Verkaufsstudie 2025. Datenerhebung: puls Marktforschung, 300 Befragte. targobank.de
  3. DEKRA & Ipsos (2025): Studie Gebrauchtwagen in Deutschland 2025, Factsheet „Erwartungen Digitalisierung“. dekra.de
  4. Aroundhome (2026): Großer Handwerker-Check: Wer antwortet und wer lässt auf sich warten? aroundhome.de
  5. Meta-Hilfebereich für Unternehmen: Best Practices zum Reagieren auf Leads über deine Lead Ads mit Instant-Formular. facebook.com/business
  6. Deutsches Institut für Service-Qualität (2025): Servicestudie Treppenliftanbieter 2025, Pressemitteilung vom 17.10.2025. disq.de
  7. Koch, W. (2022): Reichweiten von Social-Media-Plattformen und Messengern. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2022. Media Perspektiven 10/2022. ard-zdf-medienstudie.de